Konzeptmundstück – Hintergründe
Mit der Wahl eines Mundstückes muss das bestmögliche „Match“ gefunden werden. Es geht dabei um das Zusammenwirken von drei Komponenten: Musiker*in/Instrument/Mundstück. Alleine die Frage des richtigen Nenndurchmessers, der unter anderem für die subjektiv empfundene Leichtigkeit der Tonproduktion, die Geschwindigkeit der Etablierung der Klangwelle im Horn sowie die Ausdauer ein wesentlicher Faktor ist, zeigt, wie nahe das „richtige = passende“ und „völlig falsche = unpassende“ Mundstück aneinander liegen. Wir testeten eine Mundstückserie einer Kessel-Type mit kleiner werdenden Nenndurchmessern, von 16,85 mm, 16,75 mm, 16,65 mm, 16,55 mm und 16,45 mm. Je Testspieler*in verwendeten wir ca. 10 Minuten. Den Rahmen dieser Mundstücktests bildeten einfache Tonleiter-Sequenzen, Bindeübungen und Stoßübungen innerhalb der individuellen „Komfortzone“. Die Testpersonen wussten nicht wieviele unterschiedliche Mundstücke es zu testen gab.
Willkürlich abwechselnd war die Reihenfolge des Testspiels in dem jedes der einzelnen Mundstücke fünf mal gereicht wurde. Je Spieler*in konnte ein Nenndurchmesser punktgenau ermittelt werden. Das Mundstück mit dem je Spieler*in am besten spielbaren Nenndurchmesser konnte auch fünf mal identifiziert werden und sich damit als das beste „Match“ erweisen. Ein “fehlerfreies” und somit derart eindeutiges Ergebnis kam dann doch überraschend! Diese Erfahrungen mit Musiker*innen aus stilistisch unterschiedlichen Bereichen, von Hobby- zu Profimusiker*innen, bestätigen uns in der Annahme des gewählten Entwicklungsansatzes.
Wir lernen daraus: Ein Mundstück aus ein und derselben Kessel-Typ Serie, mit gleicher Kesseltiefe und um 0,1 mm zu klein oder zu groß wird als „weniger gut“, bis hin zu „ungeeignet“ empfunden. Geringfügige Unterschiede werden sehr differenziert wahrgenommen. Das gilt für Schüler*innen bis hin zu Profimusiker*innen gleichermaßen. In anderen Worten: Physik kümmert sich nicht darum wie weit entwickelt die Spieltechnik von Musiker*innen ist.
In einer fein abgestuften Differenzierung ist schon alleine die Frage des Nenndurchmessers eine Wesentliche. Davon gingen wir in der Entwicklung unseres „Konzeptmundstücks“ aus. Die Logik in der Entwicklung muss also sein, dass ein einmal herausgespieltes Mundstück mit spezifischen Klangeigenschaften und spieltechnischen Vorzügen als Grundgeometrie einer Kessel-Type gilt. Sämtliche Dimensionen der Geometrie werden in kleinen Schritten unter gleichbleibenden proportionalen Verhältnissen skaliert.
Damit schaffen wir eine Mundstück-Serie, die in ihrer Flexibilität die spezifischen Eigenschaften dieser Mundstück-Type beibehält und sie erlaubt uns eine Anpassung an individuell ausgeprägte Physiognomien von Musiker*innen. Das führt uns zu einem Ergebnis, durch das ein breites Spektrum unterschiedlicher Musiker*innen mit individuell ausgeprägten Lippengewebe, Lippenmuskulatur und Konsistenz, Zahn- und Kieferstellungen eine große Chance hat in unserer Arbeit ein „Match“ zu finden.
Der zentrale Gedanke von PARAMETRIX MUNDSTÜCKE liegt in der Annahme, dass im besten Fall der gesamte Verlauf vom Instrument – Mundstückrand bis Schallbecheraustritt – eine ungebrochene Geometrie zeichnet. Nur die frei von jeglicher Irritation fließende Form bietet beste Voraussetzungen für die Entwicklung der Klangwelle im Instrument.
In der Mundstückherstellung ist der Übergang vom Mundstück in das Instrument von zentraler Bedeutung, weil man mit der Backbore- und Schaftgeometrie sehr genau auf jedes einzelne Instrument eingehen kann. Die Skizze zeigt schematisch, wie dieser Übergang im besten Fall ausgeführt ist.
Abbildung 1
Das Mundstück leitet am gleichen Austrittsdurchmesser in das Mundrohr über. Gleichzeitig soll der zwischen Mundstück und Mundrohr entstehende Spalt (gap) kleinstmöglich sein, wenn das Mundstück fest am Schaft sitzt.
Durch den im Körper der Spielerin bzw. des Spielers aufgebauten Luftüberdruck wird bei der Energieumwandlung am Lippenschluss zwischen Ober- und Unterlippe eine Frequenz angeregt. Diese Frequenz muss mit einer Obertonfrequenz bzw. deren Teilungen übereinstimmen, um gewünschte Tonqualtäten ins Spiel zu bringen. Der durch den am Lippenschluss hindurch entweichende Überdruck löst den Beginn des Klangereignisses aus, das durch den gesamten Verlauf des Instruments, vom Mundstück bis zum Austritt der Schallwelle am Ende vom Schallbecher, in den nach außen dringenden Klang verwandelt wird.
Die Gap ist der Abstand vom Ende des Mundstücks bis zum Anfang des Mundrohres und ist ein breit diskutiertes Thema. Dieser Spalt in der Geometrie verursacht Störungen sehr nahe am Ausgangspunkt der Klangwelle. Die Länge der Gap variiert je nach Kombination von Instrument, Mundstück-Aufnahme (Receiver) und Mundstückschaft und liegt in einer Größenordnung zwischen ca. 1,5 mm und 6,5 mm. Die große Spanne dieser Lücke ist Folge der fehlenden Verständigung auf eine Norm der Schaftdimensionen. Es handelt sich bei Trompeten ganz klar um einen konstruktionsbedingten Fehler der Schnittstelle zwischen Mundstück und Instrument.
Abbildung 2
Abbildung 2 zeigt den Sprung vom Mundstückdurchmesser zum Mundrohrdurchmesser sowie den Spalt (gap) zwischen Mundstückende und Mundrohrbeginn. Je größer diese Unregelmäßigkeit in der Geometrie, desto besser muss die Instrumentaltechnik der/des Musikers*in sein, um die daraus resultierende Störung auszugleichen. Dabei entsteht eine scheinbare Unvereinbarkeit zwischen zwei Begebenheiten:
1) Die Gap ist notwendig, damit Mundstücke weltweit austauschbar sind.
2) Damit Musiker*innen ihre Instrumentaltechnik und Kreativität voll entfalten können, sollte möglichst wenig Kapazität für die Kompensation von konstruktionsbedingten Fehlern verbraucht werden.
Die Bb-Trompete muss eine Länge von insgesamt ca. 1300mm haben. Die Irritation durch die Gap befindet sich je nach Gesamtlänge des Mundstücks in etwa bei 80mm bis 90mm nach dem Initialpunkt der Klangwelle. An dieser Stelle hat das Klangwellen-Signal erst ca. 6% der Gesamtstrecke durch das Instrument hinter sich. Jede Störung die man an der Klangwellen-Quelle verursacht, wird durch die gesamte Länge des Horns mitgetragen.
Die Form des Mundstückrands hat auf die Klangwellenerzeugung physikalisch betrachtet keine unmittelbar nennenswerte Effekte. Der Rand unterliegt einer stark subjektiv empfundenen Bewertung der/des einzelnen Spieler*in. Aufgrund der individuellen Physiognomie (Lippengewebe, Zahnstellung, Kieferform,…) von Musiker*innen ist diese differierende Wahrnehmung einfach nachvollziehbar.
Abbildung 3
Ein modulares System mit wechselweise aufschraubbaren Rändern wurde bewusst nicht in unser Konzept integriert. PARAMETRIX MUNDSTÜCKE setzt damit für die Mundstückentwicklung auf die größtmögliche Flexibilität im Verlauf von Rand, Radius-Innenrand und Kesselwinkel. Zusätzlich zu den verschiedenen Nenndurchmessern auch noch den Kesselwinkel als Variable zu verwenden würde im modularen Schraubrandkonzept ein enorm umfangreiches Sortiment an Rändern benötigen. Wesentlich einfacher und ressourcenschonender ist es, eine vom Standard abweichende Randform gleich mit dem Mundstück zu produzieren. Wobei uns das High-Tech Fertigungsverfahren auch dabei einen großen Dienst erweist.
Unsere Trompeten- und Flügelhornmundstücke sind standardmäßig mit dem von uns entwickelten „e“ – Rand ausgestattet. Dieser „e“ Rand ist bereits eine Variante zur Erstentwicklung. Es handelt sich um eine breite Randform, in etwa vergleichbar mit dem E4 von Yamaha. Allerdings mit einem etwas kleineren Hochpunktdurchmesser und einem 1,5mm Radius nach innen. Dieser Radius vom Rand „e“ gibt den Lippen einen guten Halt in Kombination mit der breiten und komfortablen Auflage auf den Lippen. Die Posaunenmundstücke sind mit einer breit anwendbaren Standard-Randgeometrie ausgestattet, die größtmöglichen Spielkomfort bietet.
Die Rückbohrung, im Deutschen auch unter dem englischen Begriff „Backbore“ bekannt, zeigt, wie empfindlich das Instrument auf geringfügige Änderungen der Geometrie in diesem Abschnitt reagiert. Sie beeinflusst die Geschwindigkeit der Tonansprache, den Spielwiderstand, das die Klangfarbe bestimmende Oberton-Spektrum, das Einrasten der Töne im „Slot“ und die Intonation.
Abbildung 4
Mit der Ausgestaltung der Backbore bewegt man sich in einem sehr engen Raum zwischen klanglichen Vorteilen einer sich rasch erweiternden Öffnung und dem Punkt, an dem die Intonation beginnt schnell schlechter zu werden. Bereits kleine Änderungen können große Auswirkungen auf die Spieleigenschaften des Instruments haben. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, diese Geometrie im Detail zu gestalten, um damit gewünschte Eigenschaften gezielt zu steuern. Dabei ist die Backbore der nur wenige Zentimeter lange Abschnitt unmittelbar nach der Mundstückseele (der Abschnitt mit dem kleinsten Durchmesser, zwischen Kessel und Backbore). Gemessen an der Gesamtlänge einer Bb Trompete von ca. 130cm ist das ein sehr kleiner Anteil vom Ganzen.
Der Auswahlprozess für Mundstücke unterliegt subjektiven Empfindungen und Einschätzungen der Musiker*innen. Erfahrene Instrumentalist*innen, die täglich mit dem Instrument arbeiten, wissen, mit welchen Fragen sie an ein Mundstück im Testspiel herangehen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Weniger erfahrene Musiker*innen sind mit dem Überangebot rasch am Punkt der Überforderung angelangt. Die wahrgenommenen Unterschiede können dann nur mehr schwer eingeordnet und sinnvoll bewertet werden. Der damit verbundenen Verunsicherung, was nun gut und was weniger gut ist, kann man nur mit dem Faktor Zeit konstruktiv begegnen. Bei dieser Gruppe besteht oft eine feste Meinung darüber, wie groß z.B. ein Kessel oder eine Bohrung sein muss, um gut klingen zu können. Dies behindert die wertfreie und unvoreingenommene Auseinandersetzung mit neuem Material. Aufgrund einzelner Parameter können kaum belastbare Aussagen über ein Mundstück getroffen werden. In der Mundstückgeometrie müssen sämtliche Parameter zueinander in eine Balance gebracht werden.
Mit kleinen und seichten Kesseln können höhere Frequenzen leichter angeregt werden, und sie finden deshalb auch vorwiegend bei Spezialist*innen für das hohe Register ihre Anwendung. Eine kleiner dimensionierte Kessel-, Kehle-, Bohrungs- und Backboregeometrie wirkt sich aber auch auf den Klang aus. Der Ton wird schlanker, schärfer und weniger füllig.
Die Vorstellung „je größer die Dimensionen, desto größer der Ton“ ist ein weit verbreitetes Dogma. Gemeint ist damit häufig ein möglichst geringer Spielwiderstand in Kombination mit einem „fülligen, großen, breiten“ Ton. Der Spielwiderstand existiert als Faktor der konstruktiv genutzt werden kann und ist keineswegs grundsätzlich schlecht. Er muss verhältnismäßig sein, kann in die Spieltechnik integriert und unterstützend genutzt werden (siehe Abbildung 5).
Ein durch das Instrument und Mundstück empfundener Spielwiderstand löst intuitiv körperliche Reaktionen aus. Wenig Spielwiderstand signalisiert dem Körper weniger zu leisten, mehr Spielwiderstand verlangt nach größerem Kraftaufwand. Dabei handelt es sich um automatisierte Vorgänge der Spieltechnik.
Abbildung 5
Luft drückt zwischen Ober- und Unterlippe nach außen. Die Adjustierung des optimal schwingenden Lippengewebes muss muskulär durch Lippenspannung aufgebaut werden. Die ausströmende Luft wird durch die Verjüngung des Durchmessers im Mundstück bis hin zum kleinsten Durchmesser der Bohrung (bis zur „Seele“), verdichtet. Diese Verdichtung erzeugt das Gegengewicht zum innen anliegenden Druck. Die Balance der Kräfte, die von innen und außen anliegen, unterstützt die Lippenmuskulatur. Die Kunst dabei ist es, den Widerstand für sich arbeiten zu lassen. Ökonomie im Spiel eines Blasinstruments lässt sich also durch die folgende Frage definieren: Steht das Klangergebnis im vertretbaren Verhältnis zum Krafteinsatz?
Für die weniger erfahrenen Mundstücktester*innen sind im Folgenden mögliche Kriterien aufgelistet, auf die man besonders achten könnte. Diese Liste kann dabei helfen in der Angebotsvielfalt an Mundstücken eine Orientierung zu finden. Jedenfalls sollte auf die Akustik im „Testraum“ geachtet werden. Idealerweise sollte dies ein Raum sein an den man gewöhnt ist. Prinzipiell eignen sich Räume mit starken Reflexionen durch große und parallele Wandflächen bzw. Räume mit Steinböden weniger gut, um klangliche Unterschiede und Nuancen zu erfahren.
1) Wie schnell steht die Klangwelle im Instrument, wenn Töne in der mittleren Lage ohne Zungenstoß nur mit Luft in der Dynamik „mezzopiano“ angespielt werden?
2) Wie klar ist das „Slotting“ bzw. wie klar rasten die Töne der Naturtonreihe der Reihe nach ein?
3) Wie gefällt mir der Klang?
4) Wie ist die Soundprojektion in leiser Dynamik? Eventuell gibt der Vergleich zum vertrauten Mundstück eine brauchbare Orientierung.
5) Wie ist die Intonation (5. Oberton)?
6) „Fließen“ bei einer chromatischen Tonabfolge in der mittleren Lage die Töne im Pianissimo und Legato gespielt mühelos von einem zum nächsten? Vor allem am Übergang von den „Obertonslots“ scheint dieser Aspekt besonders interessant!
7) Kann ich einen langen Ton mittels Decrescendo so leise werden lassen, dass er im „Nichts“ verschwindet, oder gibt es vorher einen Punkt an dem die Klangwelle abreißt?
8) Wie liegt mir der Mundstückrand?
Über den Versuch, bereits beim Erstkontakt das hohe Register zu erkunden, ist zu sagen: Solche Versuche geben dem/der Spieler*in kaum relevante Informationen für die Entscheidungsfindung. Das hohe Register muss unabhängig vom Mundstück in jedem Fall erarbeitet werden. Es sind keine Mundstückhersteller bekannt, welche die Leichtigkeit im hohen Register mit den Mundstücken mitliefern.
Beim Testen sollte von der mittleren Lage ausgegangen und entsprechend der persönlichen spieltechnischen Fähigkeiten die „Komfortzone“ erkundet werden. Innerhalb dieses Bereiches zu versuchen, verschiedene Qualitäten anzusprechen, kann auf jedem Level zu aussagekräftigen Ergebnissen führen.
Die individuelle Abstimmung der drei Komponenten
1) Spieler*in
2) Instrument
3) Mundstück
bedarf großer Sorgfalt und Sensibilität. Das Spielen eines Brass-Instruments unterliegt einem dynamischen Prozess. Jeder menschliche Körper – mit seinen Lippen, seiner Zahn- und Kieferstellung und seinem Atmungsapparat – agiert und reagiert, auch altersbedingt, sehr unterschiedlich. Die individuellen Spezifikationen des Instruments spielen bei der Wahl eines Mundstückes ein wichtige Rolle.
Abbildung 6
Anforderungen an das Equipment ergeben sich auch aus der Intensität, mit der Musik im Leben eines/einer Musiker*in betrieben wird. Für alle Musizierenden gilt gleichermaßen: das Mundstück ist ein Bindeglied zwischen Instrument und Spieler*in, das einen wesentlichen Beitrag zur optimalen Balance zwischen Instrument und Körper leisten kann, um Selbstvertrauen bei der Musikausübung aufzubauen. Die Balance im Zusammenwirken dieser drei Komponenten ist für Anfänger*innen und Profis gleichermaßen wichtig. Das oft anzutreffende Vorurteil, eine gute Abstimmung beim Equipment habe am Beginn der Ausbildung keine große Bedeutung und Schüler*innen müssten zuerst eine vernünftige Spieltechnik erlernen, ist falsch. Speziell in den ersten Jahren ist für Schüler*innen eine gut funktionierende Abstimmung des Materials nachhaltig wichtig für die Freude am Klang.
Für Künstler*innen sind persönlich geprägte Klangvorstellungen entscheidend für ihre Musikausübung. Durch den Drang, künstlerisch zu gestalten, wird man intuitiv dieser Klangvorstellung folgen. Unbewusst wird körperlich alles darauf ausgerichtet sein, sich diesem persönlichen Ideal zu nähern. Mit der ästhetisch motivierten künstlerischen Handlung bezieht sich der/die Musiker*in mit jedem gespielten Ton auf diese innere Klangvorstellung. Dieses Klangideal ist die Grundlage einer eigenständigen künstlerischen „Handschrift“. Seiner eigenen Klangvorstellung möglichst nahe zu kommen, ist für eine künstlerische Entwicklung deshalb so wichtig, weil damit spontan Inspiration und Motivation generiert werden. Aus diesem Grund sind Mundstückmodelle nicht an bestimmte musikalische Genres oder Stile gebunden. Vielmehr soll das Equipment die Voraussetzung zur schnellen Reaktionszeit einer Tonansprache schaffen, den Tonumfang durchgängig mit einem resonierenden Sound – reich an Obertönen – ermöglichen. Es soll eine möglichst konsistente Qualität der Klangfarbe, durchgängig in allen Tonlagen abrufbar sein. Künstler*innen benötigen ein Werkzeug, das den Gestaltungsraum öffnet, in dem sie Nuancen, Klangfarben und Schattierungen durch ihre Spieltechnik spontan nutzen können.
Man kann grundsätzlich sagen, dass mit großen Kesselvolumen tendenziell füllige und runde Klangqualitäten mit Betonung der tieferen Teiltöne erzielt werden. Kleine Kesselvolumen betonen hingegen die höheren Teiltöne, werden weniger fülliger und rund klingen, dafür ein tendenziell helleres und komprimierteres Klangergebnis begünstigen. Mit steigendem Kesselvolumen verliert jedoch der Ton auch an Brillanz und Fokus, auch wird damit die Ausdauer reduziert. Mit kleiner werdendem Kesselvolumen wird der Platz zum Schwingen der Lippen reduziert und die Ansprache wird ab einem bestimmten Punkt darunter leiden. Es gibt klare Tendenzen in eine Richtung, in die sich klangliche und spieltechnische Änderungen durch einzelne Parameter ergeben, jedoch kann keine „absolute“ Aussage über ein klangliches Ergebnis getroffen werden. Jede Musikerin und jeder Musiker wird bei gleichem Equipment anders klingen, was auf die oben angesprochene innere Klangvorstellung zurückzuführen ist. Auch jedes Instrument verhält sich anders. Der Sound sowie das Spielgefühl ist ein Resultat des Zusammenwirkens der drei Komponenten
1) Spieler*in
2) Instrument
3) Mundstück.
Zu viele Faktoren der Musikerpersönlichkeit wirken sich auf das gesamte „Spielsystem“ aus, als dass man mit der Wahl eines bestimmten Mundstücks von „absoluten Klangergebnissen“ sprechen könnte. Mit einer Lippenkonsistenz, durch welche die Lippen tief in den Kessel eintauchen, reduziert sich das Kesselvolumen. Lippen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit weniger tief eintauchen, lassen den kleinen Kessel größer wirken. Das Klangergebnis sowie das Spielgefühl sind letztlich ein Resultat einer Vielzahl von Einflüssen und unterliegen zudem der persönlichen Vorliebe.
Unsere Mundstücke werden in Österreich, in Henndorf am Wallersee (Land Salzburg) produziert. Von uns entwickelte digitale Modelle werden über Datentabellen parametrisch gesteuert. Dies ermöglicht feinste, numerisch kontrollierte Differenzierungen der Geometrie und präzise Wiederholbarkeit in der Fertigung. Durch ein modernes Prozessmanagement können wir automatisierte Fertigungstechniken in der Einzelfertigung nutzen. Das Mundstück bleibt ab der Rohmaterialzufuhr bis zur Entnahme im durchgängig computergesteuerten Bearbeitungsprozess, ohne dabei von Hand entnommen oder gewendet zu werden. Dadurch wird eine potenzielle Fehlerquelle ausgeschlossen.

Zwei Entwicklungen der Spanungstechnik ermöglichen höchste Qualität unserer Herstellung:
1) Es kommen Werkzeuge zur Anwendung, die bereits bei der Zerspanung eine hochglänzende Oberflächengüte ergeben. Die aufwändige Nachbearbeitung durch Polieren fällt weitgehend weg.
2) Mit speziell gefertigten, innengekühlten Werkzeugen können Innenkonturen ab ca 3,5mm Durchmesser in einer Tiefe bis zu 80mm gedreht werden. Ein derartiges Verhältnis von Durchmesser zur Bearbeitungstiefe war aufgrund der auftretenden Schneidkräfte lange Zeit nicht denkbar.
Die Vorteile des Drehens gegenüber konventionellen Verfahren mit sondergefertigten, verschleißenden Formwerkzeugen, liegen in hoher Oberflächenqualität, der Möglichkeit differenzierter Formgebung und exakter Wiederholbarkeit.
Unsere Modellvarianten bieten bereits viele Möglichkeiten zur individuellen Abstimmung des Mundstücks auf Instrument und Musiker*in. Verschiedene Kesseltypen mit unterschiedlichen Nenndurchmessern sind in Serien gegliedert. Innerhalb der Serien kann auch noch das Kesselvolumen variiert werden.
Für individuelle Wünsche, welche über diese Variationsmöglichkeiten hinaus gehen, braucht es dann die Sonderanfertigung. Ein abgestimmtes Setting wird auch exzellenten Trompeter*innen Kapazitäten freigeben durch die sich der Gestaltungsfreiraum für den künstlerischen Prozess erweitern wird.
Um durch Sonderanfertigungen noch bessere Ergebnisse erzielen zu können, gehen wir vom gemeinsamen Prozess mit unseren Kund*innen aus. Nur im persönlichen Dialog können Maßnahmen zur Verbesserung entwickelt werden. Zudem haben wir dafür spezielle Messwerkzeuge entwickelt.
Die Berücksichtigung der Geometrie-Daten der Mundstückaufnahme ermöglicht es, das Problem der GAP auf ein Minimum zu reduzieren. Irreversible Änderungen am Instrument sind durch unseren Lösungsansatz (am Mundstückschaft anstatt dem Eingriff am Instrument) hinfällig. Diese Anpassung bringt klare Vorteile der Spielqualitäten, führt jedoch auch dazu, dass ein sonderangefertigtes Mundstück nur auf das betreffende Instrument bezogen das Verbesserungspotenzial ansprechen kann. Ein direkter Vergleich wird letztendlich zeigen, ob und wie wirkstark solch eine Optimierung für den/die Musiker*in ist.
Standardmodelle können mit individuellen Wünschen am Mundstückrand ausgeführt werden. Im Bereich der Backbore können Feinabstimmungen vorgenommen werden.
Sämtliche sondergefertigte Mundstücke haben nach der Modellbezeichnung eine fortlaufende Nummer eingraviert, wie zB.: #0023. Durch die Dokumentation unserer Produktionsdaten und der Sondermodell – Seriennummer ist sichergestellt, dass wir auch die sonderangefertigten Modelle jederzeit 1:1 reproduzieren können.
